WM 2010 – eine Nachbetrachtung

Was bleibt – neben dem furchtbaren Getröte der Vuvuzelas – von dieser Fußball-WM? Zunächst einmal die großen Momente: Thomas Müller grüßt  seine Großeltern, unser entsetztes Schweigen nach einem 0:1 in der Vorrunde, unser Jubel beim 4:1 gegen England, Ghanas Ausschiedsdrama, Bastian Schweinsteiger doziert über die argentinische Mentalität, Maradonas Tränen, final-niederländische Holzerei, spanische Geniestreiche belohnt mit einem Pokal.

Unglaublich die Wirkung der jogischen Personalentwicklungsmaßnahmen auf Arne Friedrich und Miroslav Klose. Prosaisch Maradonas pressekonferenzliche Monologe. Bemerkenswert die Nichtentfaltung der vermeintlich Superstars (absurd gipfelnd in Maradonas selbst- und ihn überhöhender Botschaft „Messi ist mein Maradona.“) Konsequent das Scheitern der selbsterklärt-ewigen Fußballgrößen England, Italien, Brasilien und Argentinien. Gescheitert der Versuch afrikanischer Mannschaften, europäisch zu spielen. Würdelos ein Team namens Frankreich (darüber reden wir nicht).

Argentinien hat uns vorgemacht, wohin es führen kann, wenn vor lauter Selbstbewusstsein der Respekt vor Aufgabe und Gegner so weit sinkt, dass es nicht für nötig erachtet wird, des Gegners Stärken zu analysieren. Das ließe sich aus einem (so nicht ganz gewesenen) Dialog heraus hören.
Schweinsteiger: „Die Argentinier sind so und so, das ist ihre Mentalität. Darauf müssen wir uns einstellen.“
Maradona: „Was ist los Schweinsteiger, bis Du nervös?“

Wie aus detailiertem Wissen um die eigenen Stärken und Schwächen sowie der (aus „högschtem“ Respekt vor dem Gegner geborenen) Aufmerksamkeit für Stärken und Schwächen des Gegners eine erfolgreiche Spielstrategie entstehen kann, haben uns vier Mannschaften vorgemacht: Uruguay, Deutschland, Niederlande, Spanien. Das ist jedoch keine wirklich neue Erkenntnis. Schon Sun Zi hat für uns in seiner „Kunst des Krieges“ notiert: „Wenn du deinen Gegner und dich selber kennst, brauchst du auch den Ausgang von hundert Schlachten nicht zu fürchten.“; publiziert vor über 2.000 Jahren.

Letztlich hat uns die WM daran erinnert, dass Voraussetzungen für Erfolg ein herausragendes Team plus eine geeignete Strategie (entwickelt durch ein gutes Trainerteam) sind, dass der Zufall immer mit regiert, dass es nicht immer gerecht zugeht, und dass Fußball eine wunderbare Sache ist.