Vom 4:0 zum 4:4

Jogis Mannen haben gegen die Schweden 4:4 verloren. Das Wie ist symptomatisch für eine Entwicklung, die schon seit ca. einem Jahr zu beobachten ist. Auf phasenweise Stärke folgen unglaubliche Einbrüche. Die häufigste Reaktion (u.a. von den drei Honoratioren des FCB) ist: Führungsspieler müssen her. Die zweithäufigste, wenn auch noch nicht so offen artikulierte: der Trainer ist auszuwechseln.
Das Konzept der Führungsspieler funktioniert m.E. dort, wo das Leistungsgefälle im Team groß ist. Ausgeglichen besetzte Teams wie zuförderst Spanien und Barcelona – und die sind nun einmal die  Benchmarks – kommen ohne aus. Die Mär von heilbringenden Trainerwechseln ist statistisch längst widerlegt. Wer nachlesen mag, der kann gleich unter mehreren Statistikbüchern auswählen.

Ich glaube, dass die Ursachen viel tiefer liegen, so tief sogar, dass selbst nach Austausch von 15 Nationalspielern die diskutierten Symptome alsbald wieder auftauchen würden. Ich habe keine Antworten, aber ein paar systemisch angehauchte Fragen dazu:

  • Was hat eigentlich ein einzelner Spieler davon, bei absehbarem Sieg seine Leistung auf 80% herunter zu regeln?
  • Was hat der Spieler davon, sich in kritischen Spielphasen gegen Erfolgsversprechende aber rikante Spielzüge zu entscheiden?
  • Welche Rolle spielt die hohe Belastung von eng getakteten Bundesliga- und Champions-League-Spielen?
  • Wie wirken sich die Entwicklungen der letzten beiden Jahre in der Bundesliga, namentlich die verlorene Spitzenposition der Bayern und die neue Konkurrenz Bayern vs. Dortmund, auf den Teamgeist aus?
  • Welchen Einfluss auf die Spieler haben (ernstzunehmende) Kommentatoren und Boulevard-Journalisten, die jahrelang die „unglaubliche Qualität des jungen Teams“ besangen und Differenzierungen und Ambivalenzen gar nicht kennen zu schienen?
  • Statistisch nachgewiesen ist, dass Fußball-WM´s wie Olympiaden einem Land einen Euphorieschub geben, der einige wenige Jahre anhält. Könnte es sein, dass dieser Effekt aus 2006 schlichtweg aufgebraucht ist?