Schluss mit Brainstorming!

Brainstorming ist in weitverbreitete Methode für die Gruppenarbeit. Manchmal spricht die betreffende Gruppe von B. und manchmal nicht. Das m.E. am weit verbreitete Muster ist dieses: Eine Gruppe von Führungskräften / Mitarbeitern trifft sich in einem Meeting. Es gilt, eine Problemlösung zu erarbeiten oder den Umgang mit einem Thema. Sodann werden Ideen gesammelt,  notiert und (nicht immer) thematisch sortiert. Abschließend wird die Frage „Wer macht was?“ abgehandelt. Erkennt sich der geneigte Leser wieder?

Interessant ist, was NICHT passiert und was dieses Vorgehen verhindert. Wenn es kein Präzisieren, Zusammenfassen, Verdichten, Selektieren und Prioritäten setzen gibt, kommt die Gruppe gar nicht in Kontakt miteinander. Man muss einander gar nicht verstehen, kann Worthülserei geschehen lassen, weil der eigene Beitrag ja daneben gesetzt wird und keiner ihn wegdiskutieren darf. So entsteht ein scheinbarer Konsens – weil keiner den Anderen verstehen muss. So bleiben Managementsprachliche Wolkenwörter unhinterfragt stehen. Niemand ist zu argumentativer Präzision gezwungen, die ein gegenseitiges Verstehen unterstützen würde.

Auf diese Weise ist es kaum möglich (und, was die Sache besonders fatal macht: auch gar nicht notwendig), miteinander in der Diskussion um präzise Argumente / Erklärungen / Gewichtungen zu ringen, Vorschläge zu selektieren und abzuwählen, Zusammenhänge zu hinterfragen und zu verstehen, sich ein gemeinsames Bild von der Situation (dem Problem) zu erarbeiten. Oft entsteht ein positives Gefühl von Miteinander. Nur ist das eben eine Illusion, denn man hat sich (im übertragenen Sinne, nämlich mit seinen Gedanken und Argumenten) gar nicht berührt. Das Ergebnis ist ein Sammelsurium von allem. Was fehlt, ist eine Fokussierung auf erfolgversprechende Ansätze, die mit vorhandenen Ressourcen realistisch zu bewältigen sind.

Wenn eine Gruppe bzw. eine Organisation in Gruppendiskussionen so zu ihren Entscheidungen kommt, ist es kaum verwunderlich, dass bei der Umsetzung der Vorhaben / Veränderungsprojekte „Sand im Getriebe“ ist und die Frustration der Beteiligten wächst.