Entscheiden durch Nichtentscheiden

In Besprechungen unserer Klienten fällt mir häufig ein erstaunlicher Umgang mit Entscheidungen auf. Dabei beobachte ich besonders häufig drei Fallen.

A. Die betreffende Gruppe achtet wenig auf Präzision und Abgrenzung bei dem, was sie beschließt. Dazu werden häufig Begriffe verwendet, unter denen nicht alle dasselbe verstehen.

B. Es bleibt unbesprochen und unbedacht, nach welchem Verfahren eigentlich entschieden wird. Hier eine unvollständige Auswahl: Machtwort des Ranghöchsten, gefühlte (als unabgefragte) Mehrheit, die Interpretation von Schweigen als Zustimmung, …

C. Die für mich erstaunlichste Falle ist das Entscheiden durch Nichtentscheiden. Aus wohlgemeinten Gründen meint die Gruppe, noch nicht entscheiden zu können. Hierbei wird jedoch übersehen, dass dieses Nichtentscheiden eine klare Entscheidung für den Status quo ist. Und der kann finanzielle Verluste oder genau die Probleme fortschreiben, die eine (neue) Entscheidung erst notwendig machten. Ein erlebtes Beispiel: Ein Geschäftsbereich generiert monatlich 80.000 € Verlust. Dem Entscheiderkreis ist klar, in welche Richtung die Veränderung zielt. Mit der Begründung, dass zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht alle Personalfragen geklärt sind, wird die Entscheidung vertagt auf das nächste reguläre Meeting. Diese findet in einem Monat statt.

Sicher gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Fallen. Einige davon beruhen auf psychologisch beschriebenen Effekten. Ich frage mich, ob es sich lohnen würde, alle diese „Fallen“ einmal zusammen zu tragen.