Starke Führung

Nun ist der Magath also auf Schalke und räumt dort auf. Jetzt macht er aus Schalke eine Spitzenmannschaft. WIE er das macht, wie er aus einer vor wenigen Wochen noch eher behäbig agierenden Mannschaft ein funktionierendes Team bildet, lässt er manchmal in Interviews aufblitzen. Hier eine Kostprobe:

 „Ich finde, gerade im Fussball waren wir auf einem völlig verkehrten Weg. Wir haben den Spielern alles vorgeschrieben und abgenommen. Bei einem Eckball sagen die Trainer: Geh du dahin und du dahin. Dadurch verlernt der Spieler, mitzudenken und die Dinge zu verantworten, die passieren. Ich finde, die Spieler müssen auch aus dem Bauch entscheiden. Das funktioniert, wenn sie sich nur mit einigen wenigen gut ausgewählten Informationen auseinandersetzen müssen.“
Nächste Frage: „Ist das ein zentraler Punkt ihres Erfolges?“ Magath: „Ja, ich glaube schon.“

Was wir daraus lernen können: Veränderungen können gelingen mit starker Führung von oben (Magath hat sich seine Machtposition vor seinem Start auf Schalke gesichert) und einer Idee, die Leute zu eigenverantwortlichem Handeln zu bringen.

Wie sehen Sie das?

Organisationsentwicklung und Fussball

Fussball – ich gestehe, das ist eines meiner Lieblingsthemen. Ständig fallen mir in allen möglichen Situationen Vergleiche ein, die direkt mit Fussball zu tun haben. So manches Mal halte ich mich damit zurück in der Befürchtung, meine Gesprächspartner zu einem gelangweilt-missbilligenden Augenbrauenhochziehen zu verführen. Aber hier hört ja keiner zu… 😉

Sagt doch der Thomas Tuchel (Trainer von Mainz 05) nach dem sensationellen 2:1 der Mainzer gegen die Bayern: „Wir hatten uns vor dem Spiel vorgenommen, 6 bis 7 Szenen zu haben, von denen wir nacher auf´m Video sagen: So soll es ausschauen. Jetzt haben wir in den ersten 45 Minuten 16 Szenen gefunden, von denen wir behaupten, genauso muss es ausschauen.“

Wow! Statt mittels Videoanalyse über Fehler zu dozieren (und so seine Spieler klein zu machen), zählt der Mann die gelungenen Aktionen! Man stelle sich die Wirkung vor, wenn die Führungskraft bei Projektstart als Zielvorgabe verkündet, 6-7 erfolgreich abgelaufene Routinen solle das Projekt bei der Evaluation aufweisen.

Im Übrigen: Die „Szenen“, von denen Tuchel sprach, sind vielfach besprochene und eingeübte Spielzüge. Übersetzt ins Projektmanagement hieße das doch, typische Routinen zu identifizieren und einzuüben. Und später zu überprüfen, ob sie unter Stressbedingungen der Projektrealität genauso laufen.

Könnte das ein praktikabler Ansatz sein? Das Team identifiziert zunächst seine erfolgskritischen Routinen – auf der Basis der Eigenheiten, Stärken und Schwächen der Teammitglieder. Und diese werden dann intensiv besprochen, eingeübt und bei der Evaluation bewertet.

Was denken Sie?